Der septische Schock ist die prototypische Form des distributiven Schocks: nicht das Pumpvermögen, sondern die Verteilung des Blutflusses ist gestört. Hämodynamisch fällt der systemische Gefäßwiderstand unter 800 dyn·s·cm⁻⁵, während der Herzindex normal oder sogar erhöht ist. Diese Konstellation aus hohem Fluss bei niedrigem Widerstand kehrt das Muster des kardiogenen Schocks um. Die gemischtvenöse Sättigung ist typischerweise normal oder erhöht, weil der Sauerstoff auf zellulärer Ebene nicht mehr adäquat verwertet wird und arteriovenöse Shunts das Kapillarbett umgehen.
| Parameter | Richtung | Typisch | Normbereich |
|---|---|---|---|
| CI | ↑ | normal bis > 4.0 L/min/m² | 2.5-4.0 |
| SVR | ↓ | < 800 dyn·s·cm⁻⁵ | 800-1200 |
| PCWP | ↓ | normal bis erniedrigt | 6-15 |
| ZVD | ↓ | normal bis erniedrigt | 2-6 |
| SvO2 | ↑ | normal bis erhöht (> 70 %) | 65-75 |
| Abzugrenzen von | Unterscheidendes Merkmal | Erläuterung |
|---|---|---|
| Kardiogener Schock | SVR | Der systemische Gefäßwiderstand trennt beide: beim septischen Schock erniedrigt (< 800 dyn·s·cm⁻⁵), beim kardiogenen kompensatorisch erhöht. Auch die venöse Sättigung verhält sich gegenläufig. |
| Hypovolämer Schock | SVR | Beide können niedrige Füllungsdrücke zeigen, aber der Gefäßwiderstand ist beim hypovolämen Schock hoch und beim septischen niedrig. Der Herzindex ist beim septischen Schock typischerweise normal oder erhöht. |
Die Extremitäten sind in der Frühphase häufig warm und gut durchblutet — das klassische Bild des "warmen Schocks" —, während Laktat und Sauerstoffextraktion bereits eine Gewebehypoxie anzeigen. Eine hohe venöse Sättigung schließt einen Schock daher keineswegs aus, sondern ist im septischen Kontext gerade typisch. Im Verlauf kann eine septische Kardiomyopathie hinzutreten, die den Herzindex abfallen lässt und das Bild in Richtung eines gemischten Schocks verschiebt. Der PCWP ist meist normal oder niedrig, kann bei begleitender Volumentherapie aber ansteigen.