Rechtsherzversagen – Hämodynamisches Profil

Das Rechtsherzversagen bezeichnet das Unvermögen des rechten Ventrikels, ein ausreichendes Herzzeitvolumen gegen die pulmonale Nachlast zu fördern. Hämodynamisch zeigt sich ein deutlich erhöhter zentralvenöser Druck über 15 mmHg bei gleichzeitig niedrigem Herzindex. Zwei abgeleitete Größen sind besonders aussagekräftig: das Verhältnis von ZVD zu PCWP über 0.86 zeigt an, dass der rechte Füllungsdruck relativ zum linken unverhältnismäßig hoch ist, und ein Pulmonalarterien-Pulsatilitätsindex unter 0.9 beschreibt einen rechten Ventrikel, der keine ausreichende Druckamplitude mehr erzeugt. Beide Werte lassen sich aus den Standardmessungen des Rechtsherzkatheters berechnen.

Nur für Lehrzwecke. Nicht für den klinischen Gebrauch.

Hämodynamisches Profil

ParameterRichtungTypischNormbereich
ZVD> 15 mmHg2-6
PCWPZVD/PCWP > 0.866-15
PAPI< 0.9> 0.9
CIerniedrigt2.5-4.0
SvO2erniedrigt65-75

Abgrenzung

Abzugrenzen vonUnterscheidendes MerkmalErläuterung
Obstruktiver SchockPCWPBeide zeigen einen hohen ZVD bei niedrigem Herzindex. Beim obstruktiven Schock besteht ein akutes mechanisches Hindernis, beim Rechtsherzversagen ein Kontraktilitätsproblem des rechten Ventrikels — bei der Tamponade gleichen sich zudem die diastolischen Drücke an.
Kardiogener SchockPCWPBeim linksführenden kardiogenen Schock übersteigt der PCWP den ZVD deutlich. Ein ZVD/PCWP-Verhältnis über 0.86 verschiebt das Bild dagegen zum rechten Ventrikel.

Ursachen

  • Rechtsventrikulärer Myokardinfarkt
  • Akute Lungenembolie mit Rechtsherzbelastung
  • Fortgeschrittene pulmonale Hypertonie jeder Genese
  • Rechtsherzversagen nach Implantation eines Linksherzunterstützungssystems
  • Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
  • Schwere Trikuspidalklappeninsuffizienz

Klinische Einordnung

Klinisch stehen gestaute Halsvenen, Hepatomegalie, Aszites und periphere Ödeme im Vordergrund, während die Lunge auskultatorisch häufig frei bleibt — ein Kontrast, der auf das rechte Herz hinweist. Der PAPI hat sich vor allem in der Vorhersage eines Rechtsherzversagens nach Implantation eines Linksherzunterstützungssystems etabliert, wo Werte unter 0.9 ein deutlich erhöhtes Risiko anzeigen. Wichtig ist die Betrachtung im Verlauf: Ein isoliert erhöhter ZVD kann auch Ausdruck einer Volumenüberladung sein, erst die Kombination mit niedrigem Herzindex, hohem ZVD/PCWP-Verhältnis und niedrigem PAPI macht das Bild eindeutig.

Häufige Fragen

Welche Werte sprechen für ein Rechtsherzversagen?
Ein ZVD über 15 mmHg bei niedrigem Herzindex, ergänzt durch ein ZVD/PCWP-Verhältnis über 0.86 und einen PAPI unter 0.9. Erst die Kombination dieser Werte ist aussagekräftig.
Was ist der PAPI und wie wird er berechnet?
Der Pulmonalarterien-Pulsatilitätsindex ist der Quotient aus der pulmonalarteriellen Pulsdruckamplitude und dem zentralvenösen Druck, also (PA systolisch − PA diastolisch) geteilt durch den ZVD. Er beschreibt, welche Druckamplitude der rechte Ventrikel bei gegebenem Füllungsdruck noch erzeugt.
Warum ist das Verhältnis von ZVD zu PCWP wichtig?
Es setzt den rechten Füllungsdruck ins Verhältnis zum linken. Beim linksführenden Versagen liegt der PCWP deutlich über dem ZVD; nähert sich der ZVD dem PCWP an oder übersteigt ihn, verschiebt sich das Problem auf die rechte Seite.
Wie unterscheidet man Rechtsherzversagen vom obstruktiven Schock?
Beide zeigen einen hohen ZVD bei niedrigem Herzindex. Beim obstruktiven Schock liegt ein akutes mechanisches Hindernis vor, bei der Tamponade zusätzlich eine Angleichung aller diastolischen Drücke; das Rechtsherzversagen ist dagegen ein Kontraktilitätsproblem des rechten Ventrikels.