Obstruktiver Schock – Hämodynamisches Profil

Beim obstruktiven Schock behindert ein mechanisches Hindernis die Füllung oder die Auswurfbahn des Herzens, während der Herzmuskel selbst zunächst intakt ist. Hämodynamisch resultiert ein niedriger Herzindex bei deutlich erhöhtem zentralvenösem Druck und kompensatorisch gesteigertem systemischem Gefäßwiderstand. Die entscheidende Zusatzinformation liefert das Verhältnis von ZVD zu PCWP: bei der Perikardtamponade gleichen sich alle diastolischen Drücke an, bei der Lungenembolie steigt der ZVD bei normalem oder niedrigem PCWP.

Nur für Lehrzwecke. Nicht für den klinischen Gebrauch.

Hämodynamisches Profil

ParameterRichtungTypischNormbereich
CI< 2.2 L/min/m²2.5-4.0
SVR> 1400 dyn·s·cm⁻⁵800-1200
ZVD> 15 mmHg2-6
PCWPTamponade: ≈ ZVD; Lungenembolie: normal bis niedrig6-15
PAPI< 0.9 bei Lungenembolie> 0.9

Abgrenzung

Abzugrenzen vonUnterscheidendes MerkmalErläuterung
Kardiogener SchockPCWPBeim kardiogenen Schock ist der PCWP deutlich höher als der ZVD. Bei der Tamponade gleichen sich die diastolischen Drücke an, bei der Lungenembolie bleibt der PCWP normal oder niedrig trotz hohem ZVD.
RechtsherzversagenPAPIBeide zeigen einen hohen ZVD bei niedrigem Herzindex. Der PAPI und der Verlauf helfen weiter: beim obstruktiven Schock besteht ein akutes mechanisches Hindernis, beim Rechtsherzversagen ein Kontraktilitätsproblem des rechten Ventrikels.

Ursachen

  • Lungenembolie
  • Perikardtamponade
  • Spannungspneumothorax
  • Konstriktive Perikarditis
  • Schwere dynamische Ausflusstraktobstruktion
  • Vena-cava-Kompressionssyndrom

Klinische Einordnung

Gestaute Halsvenen bei gleichzeitig niedrigem Herzzeitvolumen sind der klinische Leitbefund und trennen das Bild sofort vom hypovolämen Schock. Bei der Tamponade findet sich ein Pulsus paradoxus und eine Angleichung von ZVD, PCWP und diastolischem PA-Druck. Bei der Lungenembolie zeigt sich dagegen eine akute Rechtsherzbelastung mit erhöhten PA-Drücken, niedrigem PAPI und normalem PCWP — der rechte Ventrikel scheitert an einer plötzlich gestiegenen Nachlast, für die er nicht adaptiert ist. Die Differenzierung innerhalb der obstruktiven Ursachen gelingt hämodynamisch oft besser als die Abgrenzung nach außen.

Häufige Fragen

Welche Werte sprechen für einen obstruktiven Schock?
Ein Herzindex unter 2.2 L/min/m² bei einem ZVD über 15 mmHg und erhöhtem systemischem Gefäßwiderstand. Die Kombination aus niedrigem Fluss und hohem rechtsatrialem Druck ist wegweisend.
Wie unterscheidet man Tamponade von Lungenembolie?
Über das Verhältnis der diastolischen Drücke. Bei der Tamponade gleichen sich ZVD, PCWP und diastolischer PA-Druck einander an; bei der Lungenembolie bleibt der PCWP normal oder niedrig, während die PA-Drücke steigen und der PAPI fällt.
Warum ist der ZVD erhöht?
Das mechanische Hindernis staut das Blut vor dem betroffenen Abschnitt. Ob die Behinderung die Füllung des Herzens von außen einschränkt oder die pulmonale Strombahn verlegt, in beiden Fällen steigt der Druck im rechten Vorhof.